Bericht: Amphi Festival 2010
Juli 30, 2010 | No Comments | Eventbericht, Featured
Auch in diesem Jahr fand am Tanzbrunnen in Köln das mittlerweile etablierte Amphi Festival statt. Zum sechsten Mal wurde am 24. und 25. Juli dieses wunderbare Festival ausgerichtet und wartete auch in diesem Jahr mit einigen Neuerungen auf:
In diesem Jahr begann das Amphi eigentlich schon am Freitag, wo ein Newcomer Contest stattfand. Vier Bands hatten sich auf der Auktionsplattform eBay einen Gig ersteigert, wobei der Erlös komplett dem Verein “Dunkelziffer e.V.” zugute kam.
Bei den einzelnen Auftritten wurde dann auch im Publikum Geld gesammelt, und Zin – die Band die den größten Erlös “eingespielt” hat – durfte am Samstag das Amphi Festival auf der Mainstage eröffnen. Insgesamt kamen bei dieser Aktion knapp 2.600€ für Dunkelziffer e.V. zusammen. Diese Summe wurde vom Organisatorenteam auf stolze 3.000€ aufgerundet!
Das Projekt Weltenbrand Team besuchte das Festival erst Samstag, da unser geschätzter Hypnotoad den Freitag quasi beim Zahnarzt verbrachte.
End of Green, die erste Band, die uns die Trommelfelle massierte brachte uns genau in die richtige Partystimmung, um ein herrliches Festivalwochenende zu erleben. Die Band spielte eine gut zusammengestellte Setlist und brachte das trotz der frühen Uhrzeit zahlreich erschienene Publikum ordentlich zum kochen.
Anschließend stand für Hypnotoad Bildung auf dem Programm. Ein Vortrag von Dr. Mark Benecke, seines Zeichens Kriminalbiologe und Madenexperte sollte ein wenig Erleuchtung über Leichen und Verwesung bringen. Das tat er auch und zwar hervorragend. Dr. Benecke verdeutlichte mit teils drastischen Fotos, woran man echte Leichen erkennen kann. Allerdings – und das war das eigentliche Highlight dieses Vortrags – hat Dr. Benecke dieses mit einer ordentlichen Prise Humor erklärt, so dass Übelkeit und Ekel ausblieben und wir eine mehr als amüsante Stunde verbrachten.
Währenddessen begab sich Headhunter ins Staatenhaus um sich die geballte Ladung Electro zu geben. Auf der Bühne heizte gerade Faderhead das Publikum ein. Dabei durften die Clubhits wie “Horizon Born” oder “TZDV” (Tanz Zwo Drei Vier) nicht fehlen. Das besagte “TZDV” spielte er in einer extralangen Version. Es gab auch das Lied “Destroy Improve Rebuild” vom kommenden Album zu hören.Nach einer relativ kurzen Umbauphase und Soundcheck betraten die 3 Berliner Electro-Spezies von Solitary Experiments die Bühne im Staatenhaus. Sie hatten ihre Besucher in kürzester Zeit zum mittanzen bewegt. Was auch kein Wunder war bei solchen Songs wie “Seele bricht” und “Pale Candle Light”, die regelrecht zum Tanzen einladen. Für das Publikum gab es dannach nur eine kurze Pause zur Erholung, denn danach gab sich Nachtmahr die Ehre. Wie immer waren seine sehr ansehnlichen Damen in chicen Uniformen dabei. Gleich zu Anfang legte Thomas Rainer mit “Deus Ex Machina” los. Als dann “Mädchen in Uniform” ertönte gab es kein halten mehr im Staatenhaus. Es folgten noch weitere Hits von Nachmahr wie z.B. Tanzdiktator, Feuer Frei und War on the Dancefloor.
Zu der Zeit wurde es auch wieder für Hypnotoad musikalisch: Die Minimal-Electroniker Welle:Erdball spielten auf und hatten das Publikum vom ersten Ton komplett unter Kontrolle. Ein Hit nach dem anderen wurde von der Kult Band abgefeuert und natürlich durften klassische Aktionen wie die riesigen Luftballons bei “Schweben, Fliegen und Fallen” oder der C-64 Wurf nicht fehlen. Plastique und Co. überraschten dazu die Hörer mit einer Coverversion von Nicole’s “Ein bischen Frieden”.
Eigentlich stand jetzt mit Funker Vogt noch eine amtliche Electro Ladung auf dem Plan, nur leider war die Halle zu voll und der Sound in den hinteren Reihen viel zu miserabel. Damit hatten leider alle Bands am Samstag zu kämpfen.
Danach folgten die Synth-Rocker von The Crüxshadows im Staatenhaus und die Halle war ebenfalls wieder sehr gut gefüllt. Frontamnn Rogue hatte sichtlich viel Spaß während des Auftritts und wagte sich sogar direkt ins Publikum. Ihr bekanntester Song “Marylin, My Bitterness” wurde natürlich auch zur freude aller Anwesenden gespielt. Anschließend ging es ab zur Mainstage um das Restprogramm der Grand Dame des 80er-Dark-Waves Anne Clark zu genießen. Es gab zwar kein “Sleeper in Metropolis” zu hören, dafür aber andere Klassiker wie “Our Darkness” und “Full Moon”.
Mit einer richtig geilen Show, einer fast perfekten Setlist und der Ankündigung eines neuen Albums wurde And One gleich in mehrfacher Hinsicht das Highlight des Tages. Mit der anfänglichen Frage, “Wollt ihr den totalen Steve?”, hatte And One das riesige Publikum vor der Mainstage sofort auf seiner Seite. Steve Naghavi ließ es sich auch nicht nehmen nach dem Auftritt direkt durchs Publikum an den eigenen And One Stand zu gehen und Tickets für die bevorstehende Tour selbst zu verkaufen.
Mit “Tanzomat” soll noch in diesem Jahr endlich wieder ein reines EBM Album von And One erscheinen. Aus diesem Anlass hat sich die Band auch als Front 242 verkleidet und direkt die ganze Bühne mit Camouflage dekoriert.
Ein genialer Samstag neigte sich so dem Ende zu und wir waren voller Vorfreude auf den kommenden Sonntag.
Hypnotoad konnte leider nur Mono Inc. in voller Länge genießen, aber dieses Konzert hat – wie immer – eine Menge Spaß gemacht. Wie immer war es für Mono Inc. ein leichtes, die anwesenden Zuschauer komplett unter Kontrolle zu bringen. Besonders Hits wie “Voices of Doom” und “If I fail” sowie die fast schon kultige Akustik Version von “The Passenger” brachten das Publikum zum toben.
Für Hypnotoad hieß es nun ab nach Hamburg, aber wir waren ja zum Glück mit zwei Redakteuren vor Ort.
Auf der Mainstage änderte sich nach Mono Inc. die Musikrichtung, denn die Aggrotech-Band Rabia Sorda folgte als nächstes. Sie schafften es ohne Probleme das Publikum mit zu reißen. Nach einer gemütlichen Pause in der angenehmen VIP-Lounge begab sich Headhunter zu Samsas Traum ins Staatenhaus. Auf diese Band scheinen sehr viele gewartet zu haben, denn die Halle war sehr schnell wieder gefüllt nachdem Coppelius mit ihrem Auftritt fertig waren. Alexander Kaschte und seine Jungs rockten nach einer kurzen Eröffnungsfanfare mit “Ein Name im Kristall” los. Der Frontmann konnte sich einen kleinen Kommentar zu seinem weißes Gewand nicht verkneifen “es hättenn sich Leute aufgeregt, dass er etwas Grünes beim WGT angehabt hätte”. Bei dem Song “Auf den Spiralnebeln” ließen es Samsas Traum ordentlich krachen, denn auf der Bühne kam es zu effektvollen kleinen Rauchexplosionen, darauf folgte bei “Für immer” diverse Farbspielereien, danach kündigte sich mit “Stromausfall im Herzspital” ein weiteres Highlight an.
Nun hieß es sich zu beeilen um wenigstens noch ein paar Songs von Combichrist zu erhaschen. Da sich jedesmal beim Verlassen des Staatenhaus ein Stau am Ausgang bildete, bekam ich nur das grandiose Finale “What The Fuck Is Wrong With You” von Combichrist mit. Dabei endeckte man neben der Mainstage Honey und Frl. Venus von Welle:Erdball die sich die Show nicht entgehen lassen wollten. Danach gings wieder zurück um Front Line Assembly zu sehen. Zum Glück ging die Show mit 10 menütiger Verspätung los. Diese legten erst einmal verhalten los mit Songs wie “I.E.D.”, “Circuitry” und “Angriff” um dann richtig Gas zu geben. Es folgten noch die richtigen Kracher “Prophecy”, “Shifting Through The Lens” und das kultige “Mindphaser”. Beim verlassen der Halle spielte noch ASP bei denen “Werben”, “Ich will brennen” und “Und wir tanzeten (ungeschickte Liebesbriefe)” nicht in der Setlist fehlen durften. Nach einer halben Stunde Umbaupause betrat VNV Nation die Mainstage. Sie sorgten mit ihrer ausgwogenen Mischung aus ruhigeren und treibenden Liedern für eine riesen Future-Pop-Party vor der Mainstage. Trotz das Ron Harris die Nacht zuvor auf der Aftershow Party im Theater auflegte, war er topfit auf der Bühne. Die Setlist ließ fast keinen Wunsch offen, denn von “Beloved” über “Illusion” und “The Great Devide” bis hin zu “Chrome” war alles dabei was sich ein VNV Nation Fan wünscht. Leider gab es auf Grund der späten Uhrzeit keine lauthals geforderte Zugabe mehr.
Nun hieß es Pause machen und auf zum Finale des Amphi Festivals. Diese Ehre hatten Eisbrecher. Da es schon nach 22 Uhr war fand das im Staatenhaus statt. Kurz vor 23 Uhr legten dann die Jungs los und machten mit ihren ersten beiden Liedern “Eiszeit” und “Angst” sofort deutlich “heute lassen wir es krachen”. Dabei gab Alexx alles und kam sehr schnell schwitzen. Die Hits “Vergissmeinnicht”, “Schwarze Witwe” und “This is Deutsch” folgten auch noch. Herr Wesselsky war an diesem Abend sehr gut aufgelegt, so nahm er ein kurzen Schluck aus eine Whiskey-Flasche und gab sie dann den Publikum mit der Anmerkung noch einen Anstandstropfen drin zu lassen sofern die Flasche wieder vorn ankommen sollte. Als Finale gab es das Urgestein “Miststück” mit Publikumseinlage. Alexx stieg hinab in den Pressegraben und hielt verschieden Leuten im Publikum das Micro vor die Nase damit sie “Miststück” singen. Er stand auch genau vor mir, aber hielt zum Glück das Micro zu jemand anderen. ;-) Mein Abend endete erst gegen 4 Uhr nach der Aftershow Party, bei der auch Faderhead anwesend war.
Insgesamt war das VI. Amphi Festival in unseren Augen eines der schönsten Festivals Deutschlands. Nicht nur die super Location und die perfekte Organisation haben uns beeindruckt, es waren vor allem die Besucher, die sich allesamt freundlich und friedlich gaben die für diesen Eindruck sorgten.
Wir freuen uns aufs Amphi 2011!
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