Abschlussbericht: Plage Noire Festival
November 22, 2009 | No Comments | Eventbericht, Festivalnews, Plage Noire
Am 13. und 14.November 2009 fand erstmalig das Plage Noire Festival statt. Der Veranstalterr, FKP Scorpio wollte mit dem Plage Noire ein Winterfestival erschaffen, um die Durststrecke zur nächsten Festivalsaison zu verkürzen.
Dieses Experiment ist eindeutig gelungen. Schon die besondere Location – die Ferienanlage Weissenhäuser Strand, die in Schleswig-Holstein direkt an der Ostsee liegt, war eine geniale Wahl. Drei Konzertlocations und die Tatsache, das es mehr als genügend Übernachtungsmöglichkeiten direkt vor Ort gibt, schaffen ideale Rahmenbedingungen für ein Festival.
Ein Festival im November muss sich allerdings auch erstmal etablieren. Damit dieses Unterfangen gelingt, hat sich der Veranstalter im Vorfeld entschieden, die Preise drastisch zu reduzieren, um möglichst viele Besucher zum Plage Noire zu locken. Diesem Ruf folgten am Ende ca. 2.500 Gäste.
Aber nicht nur der Zeitpunkt und die Location, auch das Line-Up war außergewöhnlich. Mit ASP, London after Midnight, Corvus Corax, Funker Vogt und vielen weiteren hochkarätigen Künstlern wurde eine geniale Mischung zusammengebucht. Zudem gab es in Form von Lesungen von Emilie Autumn, Markus Heitz und Oswals Henke, Kurzfilmen und vielem mehr auch ein mehr als ansprechendes Rahmenprogramm.
Schon bei der Anreise wurde uns bewusst, das das Plage Noire sehr gut organisiert war. Binnen weniger Minuten hatten wir unsere Bändchen und konnten uns Ins Getümmel stürzen. Anfangs entstand der Eindruck, das das Festivalgelände sehr unübersichtlich ist, aber wenn man die Ferienanlage einmal “abgegangen” hat, findet man sich schnell zurecht. Lediglich die kleinen Konzerthallen “Baltic Festsaal” und “Witthüs” hätten besser ausgeschildert sein können. Jedoch war genug Security Personal vor Ort, das gerne alle Fragen beantwortet hat.
Musikalisch wurde das Festival am frühen Freitag Nachmittag von der Hamburger Gothic Rock Band “Mono Inc.” eröffnet, die im überraschend vollen Zelt die Fans mit einer gelungenen Show überzeugten. Auch die Band selber stellte während Ihres Auftritts erstaunt fest, das Werktag war und bedankte sich ausgiebig bei allen Blaumachern.
Schon beim Auftritt von Mono Inc. Wurde ein weiterer Aspekt deutlich, der das Plage Noire zu einem besonderen
Festival macht: Fast alle Acts durften in voller Konzertlänge auftreten. Diese Tatsache hatte zwei enorme Vorteile: Zum einen durften sich die Künstler richtig austoben, was ihnen die Fans natürlich dankten und zum anderen konnte man sich fast jeden Auftritt ansehen, da es zwar geringfügige Überschneidungen gab, aber die Konzerte jeweils lang genug waren.
Die Ohren wurden nach Mono Inc. von Funker Vogt massiert. Hier wurde uns schnell klar, das der Klang in der Mainstage – einem Zirkuszelt – wirklich gut war. So war es ein leichtes, den energiegeladenen Auftritt von Funker Vogt zu genießen.
Allerdings gab es in unseren Augen auch etwas zu kritisieren. Die Band Rotersand wurde in den kleinsten Konzertsaal – das Witthüs – gelegt. Das war eigentlich eine Fehlentscheidung. Dicht an dicht drängten sich die Fans vor der winzigen Bühne. Durch die Enge wurde jedoch die Stimmung nicht getrübt, ganz im Gegenteil, der Rotersand Auftritt war eine einzige Party. Der Sound hat auch hier mehr als gepasst, ich habe erfreut festgestellt, das der Bass meine Hosenbeine flattern ließ. Die Band selber machte das beste aus der Location und so rannte der Rotersand Frontmann mehr als einmal durch die begeisterte Menge.
Den Freitag, bzw. Samstag morgen, beendete auf der Zeltbühne das außergewöhnliche Konzert von ASP, die natürlich vom ersten Ton an die versammelte Menge im brechend vollen Zirkuszelt in Ihrem Bann hatten. ASP spielten alle Hits und so blieben nach diesem Auftritt keine Wünsche offen bevor es dann mit Anne Clark den Abschluss des Tages zu sehen und natürlich vor allem zu hören gab. Hiernach verteilte sich die Menge auf die Bungalows oder ließ den Tag mit der After-Show-Party ausklingen, um freudig dem nächsten Tag entgegenzufiebern.
Der Samstag wurde Folkig eröffnet. Fiddler’s Green enterten die Zeltbühne und schafften es ohne Probleme, die Anwesenden in den Bann Ihres Irish-Folk-Rock zu ziehen. Spätestens beim Song “The Mermaid” hatte die sympathische Band auf Ihrer Seite, denn Sie forderten das Publikum auf, zwei Worte zu finden die im Refrain gegröhlt werden sollten. Natürlich waren schnell zwei passende gefunden, diese möchte ich hier allerdings aufgrund des Jugendschutzes nicht wiedergeben (Man betrachte einfach das Video am Ende des Artikels!).
Auf Fiddler’s Green folgten zwei weitere absolute Highlights des Plage Noire: Erst brachten Corvus Corax die Zeltbühne mit Ihrer genialen Show zum kochen, dann wurden die Fans vom Akkustik-Set von Deine Lakaien ins Träumen gebracht. Beim Auftritt von Deine Lakaien standen die Leute still vor der Bühne, um von der Stimme von Alexander Veljanow in den Bann gezogen zu werden. Ein paar Pärchen machten es sich kuschelnd auf dem Boden gemütlich und genossen das Konzert.
Nach drei wirklich gelungenen Shows in der Zeltbühne kam dann ein Dämpfer. Der Auftritt von London after Midnight. Es war für uns nicht festzustellen, wer dafür verantwortlich war, auf jeden Fall war der Sound plötzlich mehr als Schlecht. Der Bass war viel zu stark, alles dröhnte und die Instrumente wurden zusätzlich noch vom Schlagzeug übertönt. Die Hardcorefans störte das allerdings nicht und auch London after Midnight selber ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und spielten ohne sich etwas anmerken zu lassen Ihr Programm.
Den Abschluss des Plage Noire bildeten dann Blutengel. Chris Pohl und seine Mädels überzeugten mit brillantem Sound und einer gewohnt beeindruckenden Bühnenshow. Leider war der Baltic Festsaal, in dem dieser Auftritt stattgefunden hat sehr schnell extrem voll, so das nicht jeder in den Genuss kam, die Show auf der kaum erhöhten Bühne auch zu sehen.
Alles in allem war das Plage Noire jedoch ein voller Erfolg und wir werden auch im kommenden Jahr gerne wieder auf dieses außergewöhnliche Festival gehen.
Lediglich die “normalen” Besucher der Ferienanlage müssen noch an diesen Event gewöhnt werden: Bei einem Strandspaziergang quittierten zwei Spaziergänge die Anwesenden Fans mit der Aussage “Guck mal da! Alles schwarze! Da – noch mehr schwarz!”. Aber das kriegen wir auch noch hin – den Einwohnern von Leipzig und Wacken ging es zu Anfang sicherlich auch nicht anders.
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