Bericht: M’era Luna 2010
August 14, 2010 | No Comments | Eventbericht, Featured, Festivals
Am Sonntag ist das 11. M´era Luna in Hildesheim, mit einem Besucherrekord von 24.000 Besuchern, zu Ende gegangen. Doch fangen wir vorne an. Bereits am Freitag machten sich Tausende schwarzgekleidete Menschen auf dem Weg zum Flughafen Drispenstedt und schon bei der Anreise war abzusehen, dass es dieses Jahr sehr voll wird. Als dann am Abend die Campingkapazitäten gut genutzt schienen merkte man den Leuten an, dass sie große Lust zu Feiern haben: Ob nun am eigenen Pavillon mit großem Ghetto-Blaster, im Disco-Hangar oder auf dem Vorplatz und Mittelaltermarkt auf dem man erste Live-Musik vernehmen konnte.
Mit einem Schrey beginnen
Am Samstag startete das Festival dann richtig und als wir es dann leicht verspätet zur Main-Stage schafften begrüßten uns Rabenschrey mit „Leb deinen Traum“. Man merkte schnell, dass das Publikum zwiegespalten war, doch wem es gefiel schrie fleißig mit zu Liedern wie „Dreckstück“, „Walhalla“ und „Raben Schrey“. Und auch als von der Bühne die Frage kam „Wollt ihr alle määääh?“ antworteten die Fans artig mit „Määääh!“ und so folgte „Das Templerschaaf“, was nicht nur die eingefleischten Fans sehr amüsierte. Die Band verabschiedete sich kurz darauf mit ihrem Lied „Hey wir sind Heiden“.
Auf alte Träume
Etwas voller wurde es dann schon später, als gegen 16 Uhr die Jungs von Samsas Traum die Bühne betraten. Vermutlich zur Freude der meisten Besucher wurde wenig Neues gespielt und auf Altbewährtes gesetzt. So folgten Hits wie „Endstation Eden“, „Stromausfall im Herzspital“, „Für immer“ und „Die Zärtlichkeit der Verdammten“. Als Alex dann zu „Ein Fötus wie du“ zur Wall of Death aufrief war die Party im vollen Gange und dies nutzte er um sich vom Publikum feiern zu lassen. Als Rausschmeißer folgte der Weena Morloch Klassiker „9mm – Kugel im Gesicht“ wofür sich das Publikum lautstark bedankte.
Etwas überrascht waren die Zuschauer als man die slowenische Band Laibach erwartete und zunächst das Bergsteiger-Lied „Wohl ist die Welt so groß und weit“ vernahm. So tat sich das Publikum Anfangs auch schwer mit den eher nach Soundcollagen klingenden „Smrt Za Smrt“ und „Brat Moj“. Aber Laibach sind nicht gerade unbekannt für ihre künstlerischen Exkursionen. Etwas tanzbarer wurde es dann schon zu „Drzava“ und dies nahm das Publikum auch dankend an. Aber ob Fan oder nicht – zum Schluss wurde gefeiert und der Auftritt fand in „Tanz mit Laibach“ einen sehr guten Abschluss. Jedoch sollte man überlegen, ob sie vielleicht im Hangar besser aufgehoben wären als auf der Main-Stage.
Fast beet the Feet
Eins der Highlights des Festivals waren die Engländer EBM-Urgesteine von Nitzer Ebb. Gleich nach dem Intro folgte ein wahrer Oldie in Form von “Warsaw Ghetto”. Doch auch neuere Stücke wie “Down on your Knees” oder “Hit you back” vom neuen Album “Industrial Complex” sorgten für Tanzgarantie. Doch natürlich gipfelte dieser Auftritt in den Klassikern “Let Your Body Learn”, “Murderous” und “Control I´m Here”, bei denen Douglass McCarthy nun zur vollen Höchstleistung auflief, um sich im Anschluss zusammen mit Bon Harris und der Zugabe “Getting Closer”, vom ebenfalls neuen Album, zu verabschieden.
Nebelschwaden und ein wechselseitiger Kurs
Als dann irgendwann das Schiffshorn erklang und man die Stimme des Grafen hörte, wusste man: Gleich geht’s mit Unheilig „Zum Meer“. Nach dem Intro „Das Meer“ stürmte ein gut gelaunter Frontmann auf die Bühne und das inzwischen sehr stark angewachsene Publikum (welches ca. zwischen 16 und 60 Jahren lag) feierte dies dröhnend. Auch weiterhin riss die Stimmung nicht ab bei den
Songs „Spiegelbild“ oder „Feuerengel“. Jedoch wurden schnell die Wechsel aus Kracher und Ballade etwas verwirrend. So folgte auf das sehr aufbrausende „Abwärts“ ein doch sehr ruhiges „Halt mich“. Zwischendurch erblickte man auch die ein oder andere Träne im
Publikum zu „An deiner Seite“. Aber auch die älteren Fans kamen schließlich auf ihre Kosten bei Klassikern wie „Sage ja“ oder „Maschine“, bei denen es um die neuen Gesichter etwas ruhiger wurde. Zum Schluss gab´s dann noch die beiden letzten Singles „Für Immer“ und „Geboren um zu leben“ und der Graf verabschiedete sich bester Laune vom Publikum.
Dieses veränderte sich dann schnell als sich der Headliner des Abends ankündigte und mit ein paar der Pionieren der Gothic-Szene namens Sisters of Mercy sollte der Abend seinen Höhepunkt finden. Sie eröffneten mit ihrem 1990er Hit „Vision Thing“ vom gleichnamigen Album und das Publikum feierte sofort los. Doch irgendwie verflog der Zauber sehr schnell, was zum Großteil mit daran lag, dass man die Band zwar hörte, jedoch durch den Nebel, der bald das komplette Publikum überflog, kaum bis gar nicht sah. Wer die Sisters kennt weiß, dass sie dafür bekannt sind. Dennoch dachten sich auch einige Besucher das Konzert vom Campingplatz weiter zu verfolgen, wonach es aber keineswegs wirklich leer sein sollte. Es folgten Hits wie „First and Last an Always“, „No Time to Cry“und “Dominion”. Richtig laut wurde es dann nochmal zum Schluss als sie die Zuschauer für diesen Abend mit “Lucretia my Reflection“ und natürlich „Temple of Love“ nach Hause, bzw. in ihre Zelte, schickten.
Horrorpunk zum Frühstück
Als sich dann am Sonntag die meisten Leute noch in der Dusche oder unterm Pavillon befanden ging es für uns dann gleich mit den Horrorpunkern von The Other weiter. Schnell merkte man, dass die Jungs keinen Schnick-Schnack brauchen, hier ging es einfach nur um laute Musik und das spürte man vom ersten Titel an. Klassiker wie „Lovers Lane“ oder „Beware of Ghouls“ hielten sich die Waage mit Stücken vom neuen Album „New Blood“ wie „Lovesick Mind“ und „Hier kommt die Dunkelheit“. Leider konnte die Band nicht ihre komplette Setlist zu Ende spielen, da Sänger Rod Usher die ein oder andere charmante Anmoderation zu viel vorgetragen hat.
Fukken Über Death Party
Dann ging es zu einer der umstrittensten Bands des Tages, den U.S.-Amerikaner Hanzel und Gretyl die ihre Zuschauer mit Titeln wie “Fikk dich mit Fire”, “SS Deathstar Supergalactik” oder “Fukken Über Death Party” schockten. Schnelle, laute Gitarrenmusik mit doch sehr harschen NS-Symboliken, die jedoch mit sehr viel “Augenzwinkern” verstanden werden sollen, spielten sich stets auf der Grenze des guten Geschmacks ab und so manch ein Blick der Zuschauer sagte “Darf man denn sowas?”. Doch die meisten hatten dabei sehr viel Spaß und feierten laut zu “Ich bin der Kraut mit der großen Schnitzel!”.
Ein doch sehr harter Schienenwechsel folgte darauf mit Zeraphine, die, nach dem Intro „Erwachen“ vom neuen Album „Whiteout“, mit ihrem 2006er Song „Still“ los rockten. Es folgte eine bunte Reise durch die Bandgeschichte die kaum Platz ließ für Überraschungen und gerade durch neue Songs wie „Lieber Allein“ und „I will be there“ das Publikum zum mitsingen antrieb. Leider war die Stimme von Sänger Sven Friedrich streckenweise wirklich sehr schlecht abgemischt, was wirklich viel am Konzertempfinden zerstört hat. Abgesehen davon war es eine sehr gelungene Show, die gerade für diese nachmittägliche Uhrzeit sehr gut besucht war.
Auf Händen getragen
Doch es sollte noch voller werden. Es folgten die Spielleute von Saltatio Mortis. Schon die Umbaupause wurde mit Piano-Versionen von Saltatio Mortis Klassikern wie „Prometheus“ verkürzt. Dann ging es auch schon mit den Titeln „Rastlos“ und „Tritt ein“ los, zu denen Alea und der Rest der Musiker wie gewohnt alles gaben. Das Publikum wurde zu den Stücken „Koma“ und „Wir säen den Wind“ stark in die Performance einbezogen. Sei es durch Arm-in-Arm-Spring-Ketten oder aufgeteilte Sprechchöre. Natürlich dürfte Aleas Bad im Publikum nicht fehlen, so trugen ihn die Fans zu „Prometheus“ bis zum Technik-Tower und zurück. Ähnlich wie auch schon 2008 fand der Auftritt seinen Höhepunkt im „Spielmannsschwur“ den die Fans noch nach Verlassen der Band weiter sangen.
Eine grundsolide Rock´n´Roll-Show folgte dann mit den Finnen von The 69 Eyes, die nur so vor Männlichkeit sprühte. Die tiefe Stimme von Sänger Jyrki ging jedem sofort in das Tanzbein. Natürlich dürften da Hits wie „Feel Berlin“, „Gothic Girl“ oder „Wasting the Dawn“ nicht fehlen. Leider war auch der Spaß schon in weniger als einer Stunde vorbei. Aber so ist es nun mal auf einem Festival.
Als nächstes kündigten sie dich britischen The Editors an. Schon vorher kam die Frage auf: Passen die denn auf so ein Festival? Die
Töne erklangen und die Band betrat die Bühne zum Titelsong ihres aktuellen Albums „In this Light and on this Evening“, zu dem Sänger Tom Smith sehr cool am Klavier Platz nahm. Als 2. Song folgte auch schon ein wahrer Klassiker mit „An End has a Start“ zudem auch schnell das Klavier gegen eine Gitarre eingetauscht wurde. Wenn man nun kein wahrer Fan war konnte es etwas eintönig werden, wobei sie sich viel Mühe gaben das „etwas andere“ Publikum zu überzeugen. Dies gelang soweit sehr gut und ganz besonders beim letzten Lied „Papillon“, bei dem Band und Publikum nochmal alles gaben.
Wir trinken aufs Leben
Dann sollte es heiß werden. Denn wer In Extremo, die kürzlich 15-Jähriges Bandjubiläum feierten, kennt weiß, dass da nicht an Pyro-Technik gespart wird. Natürlich wurden einige Stücke vom aktuellen Album „Sängerkrieg“ gespielt, so ging ein lautes „Hoooo Hoooo“ durchs Publikum zum Titelsong „Sängerkrieg“, aber auch „Die Flaschenpost“ und „Der Zauberspruch“ wurden durch den Gesang der Fans begleitet. Doch auch die Klassiker „Liam“, „Erdbeermund“, „Poc Vecem“, „Küss mich“ oder „Vollmond“ brachten die Leute zum Schreien und Springen. Dass für eine Band, die bereits 1995 gegründet wurde, eine Stunde Spielzeit sehr knapp werden könnte bewies sich zum Schluss. Als Micha „Das letzte Einhorn“ Rhein, der das Publikum mit Witz und Charme durch das Programm begleitete, den letzten Song „En Ester Noche“ ankündigte erfuhr er und das Publikum schnell, dass die Zeit nicht mehr reicht. So wurde aus dem vorletzten Lied „Aufs Leben“ schon das letzte Lied.
Alles in Groß
Als letzter Act und damit Headliner am Sonntag traten Placebo auf. Mit einer sehr großen LED-Anlage und dem Song „Nancy Boy“ vom Debut-Album „Placebo“ eröffneten Brian Molko und seine Jungs mit gellenden Gitarren ihre Show. Schnell war zu merken, dass viele Besucher ganz besonders wegen dieser Band angereist sind und so war alles dabei zwischen Tanzen und Genießen. Es folgten Songs wie „Battle for the Sun“ vom neuen Album und Hits wie „Every you Every me“ die vom Publikum mit voller Kraft gefeiert
wurden. Es folgte Hit an Hit und spätestens beim Nirvana-Cover „All Apologies“ war die Stimmung grandios. Natürlich dürften Lieder wie „Meds“, „Song to say Goodbye“ und „The Bitter End“ nicht fehlen, bevor die Band das erste Mal, unter einer gigantischen Lichtshow, die Bühne verließ. Nach den 3 Songs der Zugabe „Trigger Happy Hands“, „Infra-Red“ und schließlich „Taste in Men“ verließen Placebo unter tosendem Applaus nach über einer Stunde die Bühne.
Einen Tag nach Ende der Veranstaltung gab der Veranstalter Datum und mit ASP auch den ersten Headliner bekannt. Also sehen wir uns nächstes Jahr am 13. und 14. August auf dem Flughafen Hildesheim-Drispenstedt zum 12. M´era Luna.
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