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Nachtmahr

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Interview: via Skype zum aktuellen Album “Alle Lust will Ewigkeit” powered by Promofabrik

NACHTMAHR ist ein noch recht junges Nebenprojekt von L’AME IMORTELLE Mastermind Thomas Rainer, mit welchem er seine dunkle Seite auszuleben versteht. Was es mit der Lust, dem Sex und vor allem aber dem Tanzdiktator auf sich hat und welches Thomas Rainers Freizeitlieblingsbeschäftigung ist, könnt ihr nun im folgenden Interview nachlesen.

Vielen Dank an Thomas für das Beantworten unserer Fragen und euch viel Spaß beim Lesen!

Hallo Thomas, wie schön, dass wir heute einmal ein bisschen plaudern können ☺
Erzähle uns doch gleich mal zu Beginn, wie dir die Idee zu dem Sideproject Nachtmahr kam.

Thomas: Man muss sagen, ich bin ein wenig wie die Jungfrau zum Kind gekommen was NACHTMAHR angeht. Grundsätzlich hat alles damit angefangen, dass ich mit einer jungen, dynamischen Gruppe aus Wien vor dreieinhalb Jahren in Wien einen Gothic-Club eröffnet habe und dadurch sehr aktiv ins DJing eingestiegen bin. Als meine DJ-Tätigkeit dann immer regelmäßiger wurde und ich dann so fünf, sechs Mal im Monat aufgelegt habe, war es dann so, dass ich immer mehr die Liebe zur harten elektronischen Tanzmusik gefunden habe. Ich habe im Gegensatz zu L’AME IMORTELLE, was einen eindeutig rockigen Touch hat, angefangen in dieser musikalischen Richtung zu experimentieren.
Das Ganze ging dann soweit, dass ich selbst Songs gemacht habe, aber nur für mich selbst und um sie in meinen DJ-Sets einzubauen und nie mit der Intension, diese auch zu veröffentlichen. Schließlich kamen dann so viele Leute auf mich zu, die meinten „Hey, das klingt gut!“ und ich solle doch in diese Richting weiter machen, dass ich es dann Alex Storm von TRISOL vorgespielt habe, der ja auch das Label von L’AME IMORTELLE macht und er war plötzlich hellauf begeistert. Er hat gemeint: „Das ist super, das sollten wir unbedingt machen!“ Und so wurde NACHTMAHR geboren.

Die Musik geht ja im Gegensatz zu L’AME IMORTELLE in eine ganz andere Richtung. Wie unterscheidet sich das im Songwriting?

Thomas: Im Songwriting ist das Gefühlsspektrum abgegrenzt. L’AME IMORTELLE ist meine helle Seite. Da werden eher die positiveren Emotionen verknüpft und die negativeren Gefühle wie Trauer, Senhsucht etc. pp ausgedrückt…. während NACHTMAHR eher die dunklere Seite ist, wo es dann wirklich um die Abgründe des menschlichen Lebens und der Seele geht. NACHTMAHR schlingt sehr viel Aggression mit. Somit ist NACHTMAHR eher ein Ventil für diese Richtiung. Das heißt, wenn ich mich hinsetze und ein gewisses Gefühl durch Musik ausdrücken möchte, dann weiß ich schon sehr klar, für welches Projekt dieser Song dann sein wird.

Gibt es spezielle Nachtmahr-Fans oder ziehen die L’AME IMORTELLE Fans mit?

Thomas: Es ist sehr geteilt. Es gibt natürlich sehr viele L’AME IMORTELLE Fans, die eher die rockigen Sachen mögen und mit NACHTMAHR nichts anfangen können. Aber gerade die Fans, die in der Phase der Anfangszeit, also ca. den ersten drei, vier Alben, auf L’AME IMORTELLE aufmerksam geworden sind, sehen in NACHTMAHR auch die Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln von L’AME IMORTELLE. Da wird so eine Art Nostalgiegefühl übermittelt, welches auch in NACHTMAHR reinkippt. Es gibt auf der anderen Seite aber auch Leute, die mit L’AME IMORTELLE überhaupt nichts anfangen können, die aber sagen „NACHTMAHR ist voll mein Ding.“ Die Bandbreite reicht von Leibe bis Hass. Man kann also nicht konkret sagen, dass der L’AME IMORTELLE Fan auch Nachtmahr gut findet.

Deine Biographie beginnt mit einem Eigenzitat, welches folgendermaßen lautet: „ich habe nur ein einziges Interesse: ob ihr lebt oder krepiert ist mir egal – ich will euch tanzen sehen !“
Daraus schließe ich, dass du es eindeutig auf die Tanztempel abgesehen hast, richtig?

Thomas: Ja absolut. Das ist der Hauptzielpunkt von NACHTMAHR. Ich möchte auf jeden Fall Clubmusik machen. NACHTMAHR wurde in den Clubs geboren und NACHTMAHR soll auch in den Clubs stattfinden. Das ist mir sehr wichtig. Das Zitat beinhaltet auch ganz stark meine persönliche „Scheiß drauf“ Haltung. NACHTMAHR ist mein Ding und ich mache damit genau das, was ich will. Alle die etwas dagegen haben und meinen „das kann er doch nicht machen“, die sind mir einfach gesagt scheiß egal.

Für meine nächste Frage nutze ich deinen Spruch „Weltmacht oder Niedergang“. Was tust du, um die Weltmacht zu ergattern?

Thomas: Hart arbeiten. Nein ☺ Das Motto von NACHTMAHR „Weltmacht oder Niedergang“ heißt für mich einfach, dass ich mit dem Projekt einfach alles oder nichts verfolge. Ich setze quasi alles auf eine Karte und sage mir: Entweder ich werde mit NACHTMAHR so wie es ist erfolgreich oder gehe damit unter. Ich werde mich mit diesem Projekt keinen Zentimeter verbiegen. Das ist der tiefere Sinn hinter diesem Zitat. Was diesen „Weltmacht“ Aspekt angeht, geht es mehr darum, international tätig zu sein. L’AME IMORTELLE ist doch eher ein auf den deutschsprachigen Raum beschränktes Phänomen, wohingegen NACHTMAHR wie gesagt international angelegt ist. Das freut mich sehr, da ich auch sehr gerne reise und auch sehr gerne mit anderen Menschen zu tun habe und ich mit NACHTMAHR auch sehr viel in der Welt herum reisen kann. Ich kann viele Orte bereisen, wo ich mit L’AME IMORTELLE oder auch als Privatperson noch nie war.

Beschreibe uns bitte mit ein paar Worten L’AME IMORTELLE.

Thomas: Ich baue das jetzt mal beziehungsmässig auf. L’AME IMORTELLE ist meine erste große Liebe, an der ich immer noch festhalte und die sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht und die über all die Jahr, die ich L’AME IMORTELLE nun betreibe eine ziemlich gute Biografie von mir selbst ist.

Und nun ein paar Worte zu Siechtum.

Thomas: Siechtum würde ich im Gegensatz zu anderen Projekten als spontanen Wutausbruch sehen, der unkanalisiert und spontan aber nichtsdestotrotz sehr, sehr wichtig für meine musikalische Entwicklung war.

Und letztendlich, wie soll es auch anders sein ein paar Worte zu NACHTMAHR.

Thomas: NACHTMAHR ist Hass. Es ist das Gegenstück zu L’AME IMORTELLE. Ich sehe diese beiden Bands als sehr ambivalent. NACHTMAHR ist das Böse während L’AME IMORTELLE das gute ist. L’AME IMORTELLE ist Gott, also muss NACHTMAHR der Satan sein. NACHTMAHR ist also die dunkle Seite meiner Persönlichkeit. Es sind all die Abgründe. Es ist all das, was ich an mir selbst oft hasse oder das, was mich an meiner eigenen Persönlichkeit oft schaudern lässt. All das ist NACHTMAHR.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den drei Bands bzw. Projekten?

Thomas: Der einzig gemeinsame Nenner ist meine Person.

Was meinst du, welches der drei Bands bzw. Projekte ist das erfolgreichste?

Thomas: Das ist sehr schwer zu sagen. Das kommerziell erfolgreichste ist sicherlich L’AME IMORTELLE wohingegen NACHTMAHR das im Clubbereich und mittlerweile auch im Livebereich erfolgreicher ist.

Wie bekommst du diese drei Sachen alle unter einen Hut?

Thomas: Siechtum wurde nach dem dritten Album eigentlich nicht aufgeläst, aber inaktiv gestellt. Von Siechtum gibt es also nichts mehr zu erwarten. Bei NACHTMAHR und L’AME IMORTELLE ist es einfach gute Planung. Ich bin ein Mensch, der aufgrund seiner anderen Verpflichtungen in der Familie auf langfristige Planung und gutes Zeitmanagemnet angewiesen ist.

Gibt es noch weitere Projekte oder stehen evtl. weitere in Planung?

Thomas: Ich habe sehr viele Ideen. Sollte entweder ANCHTMAHR oder L’AME IMORTELLE irgendwann einmal nicht mehr existieren, werde ich vielleicht die Zeit finden, um die eine oder andere Idee noch umzusetzen. Mir schwebte schon immer etwas in die Richtung Singer / Songwriter vor oder auch etwas in Richtung Neofolk, welche eine meiner Lieblingsmusikrichtungen ist. Aber bis jetzt fan dich nie Zeit oder Inspiration, um solch ein Projekt anzugehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Leben des Thomas Rainer aus?

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Thomas: Das wird für viele nun sehr unspektakulär klingen. Ein typischer Arbeitstag beginnt mit einem netten Frühstück und damit, dass ich eine Stunde mit meiner Familie verbringe, um mich dann wahlweise auf die Ansprüche bezogen, mich enweder in mein Studio begebe oder in mein Büro zurückziehe und dort bis spät abends meinen Tätigkeiten nachgehe. Viele glauben, dass sich die Tätigkeit eines Musikers auf das Musikmachen beschränkt. Aber gerade in Zeiten wie diesen, ist es unerläslichm sich mit allen Medien auseinander zu setzen, Kontakte zu halten, Netzwerke zu knüpfen. Genau das macht mittlerweile 60 oder sogar 70 % der eigentlichen Tätigkeit eines Musikers aus. Es ist also eher der klassische Office/Management Job. Weil ich alles selbst mache und auch alles selbst in der eigenen Hand haben will, muss ich mir diesen Schuh auch anziehen.

Was machst du neben der Musik? Gibt es noch andere Musen, denen du dich hingibst?

Thomas: Ich koche für mein Leben gern. Ich verfüge über eine reichhaltige Kochbuchsammlung. Die Leute stehen Schlange, um bei mir zum Essen eingeladen zu werden. Das ist für mich immer eine gute Entspannung. Sogar das Gemüseschneiden hat etwas sehr meditatives. Kochen ist auch mit der Musik verwandt. Man hat etwas vor sich, was nichts ist, eben ein bisschen Gemüse und Gewürze. So ist es auch in der Musik. Man hat einfach ein leeres Kompositionsprogramm vor sich. Dann arbeitet man fünf Stunden mit den Werkzeugen, die einem gegeben sind und plötzlich hat man etwas gant tolles geschaffen. Es ist also schon artverwandt bis zu einem gewissen Grad. Kochen ist ein großes Hobby. Und natürlich sind auch meine Familie und meine Tochter sehr wichtig. Sie nehmen auch einen sehr, sehr großen Teil in meinem Leben ein.

Zum Album „Feuer frei“ berichtete ORKUS, dass du den „neuen Standard in Sachen Electro Industrial“ geschaffen hast. Wie war diese Erkenntnis damals für dich?

Thomas: Ich fand das natürlich sehr schmeichelhaft. Ich glaube, es bezieht sich auch darauf, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen Bands, auch einfach einmal versucht habe, mich nicht nur mit der kompositorischen Seite auseinander zu setzen, sondern das Ganze auch von einer tontechnisch professionellen Seite anzugehen. Ich mache nicht einfach nur etwas fertig. Ich gebe auch sehr viel Zeit und Wissen dazu, das Ding auch richtig klingen zu lassen, damit es zum Beispiel im Club neben großen Techoproduktionen bestehen kann. Denn genau darin liegt meiner Meinung nach in dieser Szene die Schwäche. Es gibt sehr viele gute Songs, die aber vom Gesamtklangbild nie neben professionellen Produktionen elektronischer Musik standhalten können. Die Leute schrauben das selbst im Keller zusammen. Es fehlt aber am nötigen Know How und auch am Equipment, um sagen zu können „so soll und muss Industrial und Industrial Techno einfach in unserer heutigen Zeit klingen“.

Kürzlich erschien nun dein neues Album „Alle Lust will Ewigkeit“. Ist das nicht ein Zitat-Fragment von Friedrich Nietzsche aus „Also sprach Zarathustra“?

Thomas: Um ganz genau zu sein ist „Alle Lust will Ewigkeit“ ein Gedicht von Friedrisch Nietzsche, welches sich mit der Grundthematik des Albums auseinander setzt. Der rote Faden, der sich quer durch das Album zieht ist der Punkt der Gier. Wir leben in einer Welt, die von Gier regiert wird. Durch „Deutschland sucht den Superstar“ und „Popstars“ und diese ganzen Sendungen wird uns diese Flause in den Kopf gesetzt, dass jeder alles erreichen kann, egal woher man kommt, egal wie talentiert man ist. Wenn man hart an etwas arbeitet und etwas wirklich will, dann kann man das auch erreichen. Das halte ich für einen großen Schwachsinn. Und eben durch dieses „Jeder kann alles sein“ oder „Jeder kann Generaldirektor sein“ wird in den Leuten eine Gier ausgelöst, dass sie sich nie mit dem was haben oder was sie haben können zufrieden geben, sondern immer nach mehr streben. Das macht Menschen kaputt! Und mit diesem Phänomen auf vielen Ebenen setze ich mich auf dem Album auseinander.

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Was fasziniert dich so sehr an Friedrich Nietzsche und spiegelt sich NACHTMAHR vielleicht im Denken Nietzsches zu „Übermenschen“ und dem „Willen zur Macht“?

Thomas: Friedrich Nietzsche passt von vielen seiner Ansichten her, wohingegen ich viele andere auch nicht teile, gut in das NACHTMAHR-Universum. Weil er mit seiner Philosophie, genauso wie NACHTMAHR, an sehr vielen Kanten angeeckt ist. Dadurch fühle ich auch eine Art gewisse Verwandtschaft. Er war jemand, der mit revolutionären und auch unbeliebten Ideen in der Welt Fuß zu fassen und sein Ding auch durchgezogen hat. Und genau das verbindet uns meiner Meinung nach von der Grundidee her auch so ein bisschen.

Warum wurde der Track „Alle Lust will Ewigkeit“ als Titeltrack gewählt?

Thomas: Ich versuche dem Titeltrack immer eine Art zusammenfassende Grundstimmung zu geben. Und meiner Meinung nach umschreibt der Titeltrack und Opener „Alle Lust will Ewigkeit“ textlich und auch musikalisch ganz gut das, worum es auf der Platte auch geht.

Was hat es mit dem „Tanzdiktator“ auf sich?

Thomas: Der bin natürlich ich ☺
Der Tanzdiktator ist wie vieles bei NACHTMAHR bis zu einem gewissen Grad mit einem leichten Schmunzeln zu sehen. Er ist sozusagen eine Hommage an die DJs da draußen und deren Ambivalent zu Diktatoren. Also ich versuche mit dem Text aufzuweisen, welche Ähnlichkeiten es zwischen Diktatoren und DJs gibt. Der DJ ist eigentlich auch ein Diktator, ein Tanzdiktator. Anderseits bin ich mit NACHTMAHR natürlich auch der Tanzdiktator, der einfach Beats kreiert, zu denen man einfach nur tanzen kann, zu denen man einfach nicht ruhig dasitzen kann, weil sonst dein Kopf explodiert oder Schlimmeres.

Auch das Thema Sex spielt eine große Rolle. Man braucht nur einmal ins Booklet zu schauen und beim Song „Sklave“ genauer hinzuhören. In welcher Verbindung steht Sex und NACHTMAHR?

Thomas: In einer nicht unwesentlicheren Verbindung , als Sex mit allen in unseren Leben in Verbindung steht. In Verbindung auf „Alle Lust will Ewigkeit“ und auch gerade das Artwork, sehe ich es so, dass Sex eine sehr gute Möglichkeit ist, dieses Thema Gier zu visualisieren. Es ist für viele Menschen einfacher, sich über dieses doch recht simple Thema in diese Thematik hineinzuversetzen. Gerade beim Thema Sex und der bildlichen Darstellung dessen wird diese Gier sehr offensichtlich und man kann es visuell darstellen und somit kann man sich auch die Thematik des Albums besser vorstellen. Daher diese explizite Darstellung im Artwork. Ich wollte mich auch einfach mit Themen wie Dominanz und Unterwerfung auseinander setzen, gerade weil es hier in Österreich auch in den letzten Jahren zwei Fälle von Entführung gab (Natascha Kampusch und Joseph Frittl), die mich in dieser Hinsicht sehr stark zum Denken angeregt haben, was wohl in diesen Menschen vorgeht, die praktisch in der Form der Dominanz und Machtausübung ein zufriedenes Leben führen können.

An wem vollziehst du Blutrache beim Song „Vendetta“?

Thomas: Im Prinzip vollziehe ich die Rache bei „Vendetta“ an all den Kritikern da draußen. Es ist sozusagen mein kleiner Arschtritt für die, die meine „NACHTMAHR ist ja alles nix“. Es ist eigentlic nicht nur der Song „Vendetta“. Das ganze Album soll einfach ein Schlag ins Gesicht sein für all die, die von Anfang an nie an das Projekt geglaubt haben und meinten , dass es eh nur wieder so ein L’AME IMORTELLE Abklatsch sei und das alles keine Substanz hätte.

Was bedeutet für dich „Alpha und Omega“ und warum widmest du diesen beiden griechischen Buchstaben einen Song? Vielmehr, was fasziniert daran und in welcher Verbindung steht dieser zu Nachtmahr?

Thomas: „Alpha und Omega“ ist ein Begriff, der ausdrückt „Ich bin der Anfang und das Ende“. Das ist ein Zitat aus der Bibel. Dieser Song soll im Prinzip darstellen, dass die dunkle Seite der Seele der jeweiligen Person, immer bei uns ist. Sie begleitet uns von der Geburt bis hin zum Tod. Sie ist unser Alpha und unser Omega; die dunkle Seite unsere negativen Begierden, eben die negative Seite unserer Seele und unseres Charakters.

Track Nummer 8 trägt den Titel „Weil ich’s kann“. Wofür steht diese Aussage?

Thomas: Ich sehe dies als Herausforderung an alle da draußen, so nach dem Motto „hört euch das mal an, dann wisst ihr, wie es gemacht gehört“. Es nimmt auch Bezug auf das Rockstar- und Musikerleben, wie sich das so anfühlt, wenn man eben kann, was andere nicht können, wenn man dort ist, wo andere gerne sein wollen.

Kommen wir noch zu dem Titel „Mörder“. Das ist ja immer ein heikles Thema. Was kannst du uns zu diesem Track verraten?

Thomas: „Mörder“ habe ich rund um den berühmten Monolog von Peter Lorre aus „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ geschrieben, den ich nach wie vor für einen der beeindruckensten Filmmonologe in der deutschsprachigen Filmgeschichte halte. Ich habe die in der Sprachumsetzung vorhandene Dynamik des Textes von Peter Lorre durch ein musikalisches Bauwerk zu unterstützen und die Emotionen, die schon beim bloßen Anhören der gesprochenen Worte durch ein musikalisches Gerüst zu verstärken und somit auf die Tanzfläche zu bringen.

Wenn man sich die Bilder anschaut, sieht man dich und zwei Mädels in Uniform in einem bunkerähnlichem Gebäude Pläne schmieden. Hat dies etwas mit deinem Wunsch der Weltmacht zu tun?

Thomas: Ja, auf jeden Fall. Der Tanzdiktator plant die neuen Angriffsziele. Ich sehe mich schon genau in dieser Position. Es basiert auf dem NACHTMAHR zugrunde liegendem „Kunst ist Krieg“ Konzept. Es basiert auf der Ambivalenz zwischen dem Leben als Offizier und dem Leben als Musiker. Denn da ich auch eine längere Zeit in der Österreichischen Armee war, ziehe ich natürlich diese Parallelen sehr stark. Es gibt eine Menge Parallelen: Man trainiert sehr lange, um all sein Wissen in einer kurzen Zeit zum Einsatz zu bringen. Es geht sehr viel um Kameradschaft, um Gruppendynamik. Man wird zusammengeschweißt. Man zieht mit vielen anderen Leuten an einem Strang. Es geht immer wieder um Strategien, um Pläne etc. Da kann sich jeder auch seinen eigenen Reim drauf machen. Meine Idee mit NACHTMAHR war dazu so etwas wie „Klangsoldaten“, die anstatt mit Attelerie mit fetten Basedrums schießen.

Da Dinge wie Uniform, Bunker, Seitenscheitel usw. immer wieder mit dem Thema Rechte Szene und Adolf Hitler in Verbindung gebracht werden, kann ich mir gut vorstellen, dass es dazu einiges an negativer Kritik geben wird. Wie wirst du damit umgehen?

Thomas: Wie ich es bereits vorher gesagt habe: Weltmacht oder Niedergang, take it or leave it. Der Punkt ist, dass ich genau das mache, was ich will. Ich habe mein klares künstlerisches Konzept vor Augen. Ich weiß ganz genau, dass ich das so machen will und ich werde da keine Abstriche machen. Wenn jemand damit ein Problem hat, dann muss er es sich nicht anhören. Und wenn jemand dagegen demonstrieren oder aufschreien will, dann soll er das tun. Das eigentlich Interessante daran ist, dass diese Parallelen eigentlich nur in Deutschland auffallen. Solche Fragen kommen im Ausland nicht auf. Das liegt wahrscheinlich an der großen Sensibilität in Deutschland. In anderen Ländern wird das ganz anders verstanden. In Amerika zum Beispiel gibt es viele Bands wie Hanzel und Gretyl, welche da noch einige Schritte weiter gehen. Und denen würde auch nie jemand so etwas unterstellen. Es liegt hauptsächlich im Auge des Betrachters. Das ist mehr ein Slebstvorwurf als ein konkreter Grund dem Vorwurf des Künstlers gegenüber.

NACHTMAHR war ja auch schon an einigen Flecken der Welt zu sehen. Wo überall warst du schon und welche Impressionen hast du davon mit nach Hause genommen?

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Thomas: Die meisten Staaten in denen wir noch nicht wahren, werden wir im Herbst natürlich noch abdecken. Das geht vom tiefsten Westen Amerikas bis nach Russland. Asien – schau mer mal, was da noch geht. Vor kurzem habe ich ein Konzertangebot aus Israel bekommen, da freue ich mich auch schon sehr darauf, dies wahrzunehmen. Wir arbeiten daran. Das wird mit Sicherheit für uns auch eine sehr interessante Erfahrung werden. Gerade solche exotischen Orte machen uns einfach sehr viel Spaß. Wir wollen eben auch dort mit NACHTMAHR unser Fähnchen reinstecken.

Gerade hast du auch deine East Coast USA-Tour hinter dir. Wie war es denn?

Thomas: Es war natürlich wie immer hervorragend. Die Szene in Amerika ist viel kleiner wie die in Deutschland. Da ist das Publikum für diese Art von Musik viel kleiner prozentual gesehen von der Bevölkerungszahl einer Stadt. Aber dafür sind diese Leute so viel euphorischer und dankbarer als das Publikum in gesamt Mitteleuropa. Da wird von vorne bis hinten überall getanzt. Die Leute sind wie gesagt sehr dankbar, dass Künstler aus Europa kommen und die Mühen auf sich nehmen, in ihrem Land zu spielen. Es ist für einen Künstler sehr schwierig nach Amerika zu kommen, allein aufgrund der Visa-Formalitäten und aufgrund der immensen Kosten, die auf einem zukommen.

Mit dir auf Tour waren „Alter der Ruine“. Wie kam es, dass sie euch nach USA begleitet haben?

Thomas: Sie waren bereits im November Vorgruppe bei unserer Tour der Westküste und den mittleren Teil Amerikas und sind mittlerweile zu sehr guten Freunden geworden. Aber abgesehen davon ist es für mich auch privat eine der interessantesten Bands im Industrialsektor momentan. Nicht zuletzt wegen ihrer Musik auf CD, aber v. a. aufgrund ihrer Liveshow, die so ziemlich alles in den Schatten stellt, was ich in Europa jeweils auch auf Festivals gesehen habe. Und genau deswegen macht es immer wieder unglaublich viel Spaß mit dieser Band zu touren, weil ich mir fast jedes ihrer Konzert angesehen habe und auch menschlich mit ihnen sehr gut klar komme.

Wie schaut es mit weiteren Konzerten aus? Wo überall kann man NACHTMAHR 2009 sehen?

Thomas: Das ist sehr umfangreich und es kommt laufend etwas hinzu. Am besten einfach mal auf www.nachtmahr.at schauen, dort den Konzertkalender ansehen. Es geht noch nach Athen, dann machen wir eine kleine Tour durch Nordengland, dann haben wir noch Belgien vor uns, Holland und solche Geschichten.

Und wie kann man sich ein typisches NACHTMAHR-Konzert vorstellen? Stehst du allein auf der Bühne?

Thomas: Ich habe noch einen sehr, sehr guten und wichtigen Kameraden / Mitarbeiter / Kollegen mit auf der Bühne, der mir am Keyboard und am Laptop unter die Arme greift. Es ist meistens so, dass wir unsere Show darauf abstimmen, was wir für Konzerthallen zur Verfügung haben. Gerade in den USA sind es meistens sehr kleine Clubs. Dort sind wir nur zu zweit auf der Bühne. Aber bei größeren Festivals haben wir immer unsere NACHTMAHR Garde, unsere hübschen Mädels dabei, die unsere Bühne optisch aufputzen. Und auch dahingehend haben wir in Zukunft noch sehr viel vor. Wenn die Budgets größer werden, die Besucherzahlen steigen und NACHTMAHR ein größerer Name in der Szene wird, können wir das alles in eine noch größere, noch aufwendigere Liveshow investieren.

Und zum Abschluss machen wir noch ein kleines Wortspiel. Bitte antworte jeweils mit einem Wort, was dir spontan zu folgenden Themen einfällt:

Deine Weltansicht: ist besser geworden
Vorurteile: gibt es leider viel zu viele
Glaube: an mich
Träume: ist ein guter Song des aktuellen NACHTMAHR Albums
Gewalt: ist manchmal die letzte Lösung
Wünsche: sind dazu da, erfüllt zu werden
Krieg: ist Kunst, nein Kunst ist Krieg
Diktatur: strebe ich auf der Tanzfläche an
Zweisamkeit: ist unerlässlich
Sex: kann man nie genug haben
Wiedergeburt: mal sehen
Übermensch: das wäre in dem Fall ich
Musik: ist ein Lebenselixier
Rache: ist süß
Liebe: ist die Kraft, die die Welt zusammenhält
Kommerz: ist auch mal gut
Schwarze Szene: ist nicht mehr ganz so schwarz, aber dafür um so besser
Schlager: machen L’AME IMORTELLE, sagen manche Leute
Hip Hop: manches gar nicht so schlecht
Techno: ja bitte
Tanzen: ficken oder beides?
Weltmacht: oder Niedergang
Niedergang: noch nicht

Vielen Dank für das Beantworten unserer Fragen und weiterhin viel Erfolg bei all deinen Vorhaben und Tun.
Vielleicht liegt dir ja noch etwas auf der Zunge, was du schon immer einmal loswerden wolltest?

Thomas: Ja, also liebe Leser. Zunächst vielen Dank für’s Lesen. Lasst euch genauso wenig wie NACHTMAHR unterkriegen, folgt euren Träumen und dem, was ihr erreichen wollt. Aber seht auch immer das, was ihr habt und strebt nicht nach etwas, was weit außerhalb dessen liegt, was zu erreichen notwendig ist!

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Alle Lust Will Ewigkeit

Nachtmahr. Trisol (Soulfood Music) 2009, Audio CD, € 11,42

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